Animagie

Animagie – Teil 1

Was unterscheidet einen Mann von einer Frau? Sind wir wirklich so unterschiedlich? Oder haben wir doch mehr Gemeinsamkeiten, als uns bewusst ist? Viele spannende Fragen, die Hekate versucht, in diesem Text zu erforschen. Zu Beginn empfehle ich, die kurze Einleitung zu lesen.

S(ie): „‚Animagie‘ – das klingt zwar irgendwie vielversprechend: aber was soll ich mir darunter eigentlich vorstellen?“

E(r): „Mal ganz allgemein – und zugegebenerweise ziemlich trocken – gesagt: Die magischen Aspekte jener Komponente in unserer Seele, die jeweils dem entgegengesetzten Geschlecht entspricht – also der ‚Anima‘ beim Mann oder des ‚Animus‘ bei der Frau.“

S: „Au weh – damit werden Sie es bei mir aber schwer haben: denn erstens mal bin ich überhaupt nicht geneigt, allgemein an solche ‚Seelenkomponenten‘ zu glauben – also daran, daß etwa jeder Mann ein Stück Frau in sich herumtragen soll und ich zum Beispiel ein Stück Mann; aber auch falls das – was ich ja gern zugeben will – in abnormen Fällen manchmal vorkommen mag: dann gehört das ja wohl in die Sexualwissenschaft – hat aber doch nichts mit ‚Magie‘ zu tun!“

E: „Wahrhaftig – au weh, aber weniger, weil ich es bei Ihnen nun ’schwer zu haben‘ fürchte – sondern weil wir jetzt erst mal ganz ‚von unten‘, nämlich biologisch, anfangen müssen. Und weil ich Ihnen da einige Fakten mitteilen muß, die Sie – was ich schon eher fürchte – leicht erschüttern könnten: Wenn Sie nämlich als Frau eben gerade kein ‚abnormer Fall‘ sind, sondern völlig normal – dann tragen Sie in der Tat dauernd ‚ein Stück Mann‘ in sich herum: nämlich an sich ‚männliche‘ Sexualhormone wie Androgene oder ICSH – ohne deren Mitwirkung Ihr ganzer Hormonhaushalt aus den Fugen käme; und alle – auch die stinknormalsten – Männer haben z.B. nicht nur Brustwarzen (die sie ja eigentlich wirklich nicht brauchten, weil sie nie Kinder säugen) – sondern in ihren Samenzellen auch die ‚weibliche‘ Erbanlage, das X-Chromosom: sonst könnten sie nämlich nie Töchter zeugen!“

S: „Also Moment mal: die weibliche Erbanlage bekommen die Töchter doch nun wohl von der Mutter!“

E: „Sicher – von der bekommen sie das eine X-Chromosom (aber das bekommen von ihr auch die Söhne) – das andere aber, das zu ‚XX‘ gleich ‚weiblich‘ nötig ist, muß vom Vater kommen: könnte der nur Y-Chromosomen liefern, gäbe es jedesmal ‚XY‘ gleich ‚männliche‘ Nachkommen (und in der nächsten Generation müßte die Menschheit dann mangels Frauen aussterben!)“

S: „Aber dieses zweite ‚X‘, das der Mann zuschießt, hatte er sich doch gewissermaßen bloß von seiner Mutter ausgeliehen: Sie haben ja gesagt, daß die Frau auch den Söhnen ein ‚X‘ mitgibt!“

E: „Allerdings – ein ausgeliehenes ‚Stück Frau‘ in der Erbmasse, das nun eben auch jeder Mann in sich herumträgt … was Sie aber eben doch gar nicht zu glauben geneigt waren?“

S: „Zugegeben – da haben Sie mich ganz schön drangekriegt: aber bloß wegen dieses komischen Erbgangs beim Geschlecht, der überhaupt nicht so funktioniert wie bei anderen Erbeigenschaften!“

E: „Der anders funktionieren muß, könnte man sagen, damit immer etwa gleichviel männliche und weibliche Wesen entstehen: sonst bekämen wir nämlich immer drei Viertel von einer (der „dominanten“) Sorte – oder, noch schlimmer, jedesmal die Hälfte Zwitter …“

S: „Na ja – aber beweist all das nicht eben gerade, daß Sie diese Chromosomen – oder auch Brustwarzen oder Hormone – eigentlich gar nicht ‚weiblich‘ oder ‚männlich‘ nennen dürften, wenn sie doch bei beiden Geschlechtern vorkommen – sondern höchstens allgemein ‚menschlich‘? Und damit bräche doch Ihr ganzes Argument vom ‚Stück Frau im Mann‘ – oder umgekehrt – wieder zusammen!“

E: „Verzeihen Sie – aber jetzt haben Sie sich doch gerade um 180 Grad gedreht: vorhin waren Frau und Mann so himmelweit verschieden, das kein Stückchen ‚Mann‘ in der ’normalen Frau‘ sein durfte und umgekehrt – jetzt sind sie auf einmal allesamt ‚Menschen‘, die alle möglichen Eigenschaften, auch die des anderen, kreuz und quer haben dürfen?!
Was – überdies – wiederum nicht stimmt: Nach wie vor haben z.B. Sie einen Busen und ich nicht – ich kann keine Kinder gebären und Sie können keine zeugen.“

S: „Aber wenn ich Ihnen die richtigen – oder sollte ich sagen: die verkehrten? – Hormone einspritzen würde, könnten Ihnen zum Beispiel unter Ihren Brustwarzen, die sie ja – wie Sie betonen – schon haben, auch Brüste wie bei mir wachsen!“

E: „Nun, wenn Sie wünschen, kann ich Ihnen in der Richtung sogar noch viel mehr bieten: da gibt es zum Beispiel den berühmten Sternwurm (Bonellia viridis), bei dem die winzigen, nur 1-2 mm großen Männchen fast wie Parasiten an den mehrere Zentimeter großen Weibchen festgesaugt leben.“

Der Sternwum
Der Sternwum

S: „Wie idyllisch!“

E: „Doch die eigentliche Pointe kommt erst noch: offenbar muß so ein junges Sternwürmchen dazu aber erst mal ein Weibchen finden; klappt das, saugt es sich an ihm fest und lebt als Männchen – findet es aber keins, sagt es gleichsam ‚ick bin doch nich uff Euch anjewiesen‘ – und wächst selber zu einem vollwertigen Weibchen aus …“

S: „Was nun was beweisen soll?“

E: „Daß also die grundsätzliche Möglichkeit – sozusagen das ‚Potential‘ – für beide Geschlechter durchaus im gleichen Wesen liegen kann …“

S: „… wenn es ein Sternwurm ist!“

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