Animagie

Animagie – Einleitung

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Wer meine alte Webseite kennt, der weiß, dass schon damals die Rubrik Wissen existierte, voll gepackt mit allerlei Informationen und einem Lexikon. Sie war die Ergänzung zu meiner Ausstellung und beinhaltete auch diesen Text von Hekate, einer guten Freundin, die leider viel zu früh von uns gegangen ist. Sie befasst sich auf ihre Weise mit dem Thema Trans* und zeigt wie vielseitig und „normal“ dieses ist.

Vorgeschichte

Über “Rational-konstruktive Magie-Kritik” kann man – was ich auch mal getan habe – lange Abhandlungen in Jahrbüchern seriöser Akademien schreiben; knapper den Kern der Sache traf aber schon vor über 200 Jahren die Bemerkung des scharfsichtigen Göttinger Physikers Lichtenberg:

Noch glauben, daß der Mond auf die Pflanzen wirke, verrät Dummheit und Aberglaube, aber es wieder glauben zeugt von Philosophie und Nachdenken.Georg Christoph Lichtenberg

Denn in dem, was man landläufig „Magie“ zu nennen pflegt, steckt zu viel Wichtiges und Wahres, um es schlechthin als „Aberglaube“ abzutun – bloß wird man gerade das nicht einfach auf der nächsten “Esoterik-Messe” finden: sondern erst, wenn man mit dem ganzen Rüstzeug heutigen (oder gar morgigen) exakter Wissens danach gräbt. Im Zuge solcher Forschungen hatte ich vor 20 Jahren – 1984 – für eine Computer-Zeitschrift auch einen Artikel geschrieben, der den verblüffenden Analogien zwischen „Computer und Magie“ nachging: vom altchinesischen Orakelbuch „I Ging“, dessen Gruppen von „Yin“- und „Yang-Linien“ genau dem modernen „0/1“-Code entsprechen, bis zur damals fast neurotischen Angst mancher Sekretärinnen vor dem “unheimlichen Kasten”.

Zwei Jahre später bat ein Redakteur von „ANUBIS – ZEITSCHRIFT FÜR PRAKTISCHE MAGIE UND PSYCHONAUTIK“ darum, diesen Artikel für seine Leser nachdrucken zu dürfen und sandte mir dazu ein Musterheft. Ich hatte selten etwas so Erstaunliches gesehen: statt dunkel herumzuorakeln, beschrieben die Artikel dort etwa das Herstellen eines Athame (Hexendolch) oder das Ausführen des „Kleinen bannenden Pentagramm-Rituals“ so cool und praktisch, wie es heute etwa die Make-up-Tips von Transgender-Internetseiten mit ihren Themen tun!

Aber auch von meinen Artikeln konnte die ANUBIS-Redaktion scheint’s gar nicht genug bekommen: nachdem sie als nächstes einen noch älteren über “Magie und Werbung” nachgedruckt hatte, fragte sie nach noch mehr – und das, fand ich, war mal eine Gelegenheit, auch meine Gedanken über „magische Aspekte von Anima und Animus“ loszulassen. So erschien dort 1987 – in zwei Fortsetzungen – die „Animagie“. Details mögen daher zwar nicht mehr so aktuell wirken (z.B. der Hinweis auf die damalige Schach-Weltmeisterschaft); aber die Hauptthemen scheinen, wie ihre Internetseiten zeigen, auch heute noch viele Transgender-Personen zu bewegen – und vielleicht können gewisse meiner Ideen dort für manche von ihnen neues Licht auf alte Probleme werfen.

Titelbild

Das habe ich erst viele Jahre später – mit den inzwischen zur Verfügung stehenden Bildbearbeitungs-Programmen – aus den verschiedenen symbolischen Elementen komponiert: Als Hintergrund eine alchymistische Darstellung des doppelgeschlechtlich Weib und Mann vereinenden „Hermetischen Androgyns“ aus dem 15. Jahrhundert. Davor links als „ER“ mein „idealisiertes Selbstbild“ – mit den Symbolen des Hongkong-Seidenanzugs (für: „weitgereister Weltmann“), der Pfeife (für: „sympathischer Wissenschaftler“) und der Katze (für: „mysterienkundiger Meister“); [zur Abschwächung muß ich aber sagen, daß nicht ich selbst mich so gestylt hatte – sondern ein Fotograf für eine Interview-Illustration!].
Und rechts als „SIE“ eine meiner cooleren „Animanifestationen“ – diesmal als selbstsichere Karrierefrau, intellektuell-feministisch, okkult interessiert (aber in alldem manchmal leicht vernagelt) – nicht ohne Humor, aber leider bar jeglichen Charmes: kaum mein idealer Frauentyp – aber gerade darum hatte ich mir extra Mühe gegeben, ihr in Diktion und Darstellung möglichst gerecht zu werden: am Schluß bringt sie sogar den weisen Meister noch auf eine Idee, die er zuvor nicht hatte!

Hekate

Was soll ich über Hekate sagen? „1928 geboren, spielte Hekate schon ab 12 Jahren gern „Dame“ – studierte Physik, heiratete, beriet Firmen und Verlage, umreiste die Welt: Doch stets war ihr „HE“ auch eine „KATE“. Sie schrieb SF-Stories, baute Maschinenmodelle, liebte Computer und Bildbearbeitung und jonglierte mit immer neuen Damen-Namen und -Charakteren.“ So beschrieb sie sich selbst, ausnahmsweise mal kurz und knapp, doch wie immer – treffend. Denn Hekate liebte das Schreiben (was wohl auf ihren Beruf zurück ging), einmal in Fahrt fand sie nicht so schnell ein Ende. Als sie im Februar 2004 das erste Mal mit mir in Kontakt trat, damals nannte sie sich noch Lady of Mystery, hatte ich die bis dahin längste Mail in meinem Mailfach. Und gleich von Anfang an waren wir auf einer Wellenlänge. Sie wusste jede Menge über Trans* – quer durch alle Jahrhunderte und Kulturen. Und wenn sie mal was nicht wusste, dann gab sie so lange keine Ruhe, bis es gefunden hatte. So flatterten in unregelmäßigen Abständen interessante Texte und Bilder in mein Mailfach und liebe Grüße zu allen Feiertagen. Immer mit einem passenden Bild von ihr.

Zusammen begannen wir das Projekt „TRANSLEXIKA“ in dem wir unser gesammeltes Wissen vereinten, leider ist es inzwischen so viel Material das es noch eine Weile dauern wird bis es online geht. Basierend auf dieser Plattform gab es eine kleine Ausstellung, die viele Jahre auf dem Dresdner CSD und anderen Stadtteilfesten zu sehen war. Nach und nach knüpfte Hekate weitere Kontakte und obwohl sie jede Menge mit Computern zu tun hatte, begann sie erst ziemlich spät auch in verschiedenen Foren aktiv zu werden. Und sie brachte eine willkommene Abwechslung mit und spaltete die Forumsbesucher in zwei Lager: Die Einen liebten ihre treffenden Texte, die Anderen kamen mit ihrer Art gar nicht zu recht. Schnell machte es die Runde das sie nur ein „Fake“ und „Störenfried“ sei. Das verstand Hekate überhaupt nicht und war über die Reaktionen ziemlich enttäuscht. Doch es dauerte nicht lange und immer mehr erfreuten sich an ihren Texten und schließlich gab auch der letzte nach. Seit dem war sie nicht mehr aus den Foren wegzudenken und erheiterte alle immer wieder mit lustigen Themen und Kommentaren. Sie wird vielen fehlen, denn sie zeigte das es noch andere Themen als passende Lippenstifte und schöne Kleider gibt und das Leben viel mehr bietet. Sie war etwas besonderes und hatte sich trotz ihres Alters ihre Jugend bewahrt. Wir werden dich vermissen.

Stella, 13. September 2007

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