Transsexualität

Als Trans*Frau im Internet und warum es mich krank macht

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Seit 2002 bin ich mit meiner Website im Internet vertreten, lange bevor soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter und Instagram zum Alltag gehörten. Wer von seinem Leben erzählen wollte, der musste entweder einen Account bei myspace eröffnen, oder eine eigene Webseite erstellen. Ich hatte beides und meine eigene Seite, die sich im Laufe der Jahre immer wieder verändert hat und umfangreicher geworden ist, gab mir die Möglichkeit der allgemeinen Bevölkerung Trans* näher zu bringen und Betroffenen bei ihren ersten Schritten zu helfen. Und mein Postfach war immer geüllt mit positiven Nachrichten, nicht einmal mit irgendwelchen Hasskommentaren.

Dann kam Facebook und seit 2010 bin ich da auch mit einem privaten Profil und einer sogenannten Fanseite vertreten. Und in den Anfangszeiten war es eine tolle Sache, um Kontakte zu knüpfen. Doch in den letzten Jahren änderte sich immer mehr: Zwar ist mein Postfach immer noch täglich gefüllt, doch inzwischen traue ich mir gar nicht mehr die Nachrichten zu öffnen. Egal ob auf Facebook oder Instagram (Instagram ist am Schlimmsten), der Großteil der Nachrichten, den ich erhalte, kommt nur noch von Männern (manchmal auch von Frauen), die mit Transsexualität irgendwelche erotischen Fantasien verbinden. Da danke ich dem Fotofilter von Instagram, der mich schon vor einigen schockierenden Bildern bewahrt hat. Nicht vor allen, denn manchmal sind die Schreiberlinge gerissen und wissen ganz genau, wie sie ihre Texte verpacken müssen, um Aufmerksamkeit zu erreichen. Was auf Gegenwehr meinerseits folgt sind diskriminiernde Kommentare, Beleidigungen, bis hin zum Mobbing. Die Blockierenfunktion ist bei mir ziemlich oft in gebrauch. Auch wenn man sich so die Störenfriede dann vom Hals halten kann (auch wenn es Exemplare gibt, die es dann einfach etwas später mit einem neuen Account noch einmal versuchen), so kratzt das Ganze doch ziemlich an der Substanz, denn man beginnt sich zu hinterfragen. Denn es gibt nichts auf meinen Accounts, dass den Eindruck erwecken könnte, ich wäre auf Abenteuer aus. Was aber die meisten nicht stört, selbst wenn man ihnen mitteilt, dass man auf Frauen steht. Aber dazu gab es vor einer ganzen Weile schon mal einen Post von mir – Kein Freiwild.

Als Trans*Frau hat man es eh schon schwer,
als einigermaßen „normal“ zu gelten.

Seit dem ist alles schlimmer geworden. Man fängt an, sich unnötige Gedanken darüber zu machen, dass man wahrscheinlich bei den Herren der Schöpfung als arogant eingestuft wird, weil man teilweise nur noch genervt auf Antworten reagiert und damit zu kämpfen hat, nicht zu unfreundlich zu wirken. Dabei kann man gar nichts dafür und will eigentlich nur in Ruhe gelassen werden. Ich habe nichts gegen ein nettes Gespräch, aber wenn es gleich im zweiten Satz nur noch um Sex geht, dann werde selbst ich ekelig. Und wenn das Gegenüber dann abwertend und ausfällig auf meine verhältnismäßig nette Antwort reagiert, schwingt im Hinterkopf immer mit, dass die sozialen Netzwerke ein gefährliches Pflaster sind. Einmal auf die falschen Leute getroffen und sie können dich alleine mit Kommentaren fertig machen. Das Internet ist ein wahrer Pfuhl an Meinungen und Aussagen, die niemand hinterfragt und in Windeseile können Existenzen zerstört werden. Ich weiß wovon ich rede, denn vor etlichen Jahren wurde das bereits mit meiner Person versucht. Inklusive Telefonterror. Die Schattenseiten des Internets.

Trotzdem habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, wie ich meine Reise gestartet habe. Warum auch? Durch meine Offenheit habe ich vielen geholfen und Mut gemacht, und auch Menschen mit diesem Thema in Berührung gebracht, die eigentlich nichts damit zu tun haben. Doch trotzdem wird man ständig wie eine Exotin behandelt. Wie ein Lustobjekt. Wie etwas minderwertiges. Ehrlichgesagt fühle ich mich nach dem Lesen vieler dieser Nachrichten schmutzig und unwohl in meiner Haut. Während ich versuche ein normales Leben zu führen, stellen andere Personen immer wieder meine Gefühlswelt auf den Kopf. Das Bild, dass ich versuche nach außen hin zu leben wird in Frage gestellt. Mich beschäftigen diese Dinge immer mehr, belasten meine Seele. Verfolgen mich bis in den Alltag und sorgen dafür, dass ich anderen Menschen immer distanzierter auftrete, ständig im Hinterkopf sie könnten genauso denken. Natürlich könnte ich mich davor schützen und alles blockieren: Private Nachrichten, Kommentare, Emailadressen. Aber ist dass der Sinn der Sache? Mich total zurückzuziehen? Aus allem?

Gerade durch solche Posts werden Schubladen geöffnet, aus denen es nur schwer ist zu entkommen. Wenn ich auf neue Menschen treffe, so haben viele ein Bild im Kopf, das mir nicht entspricht, und es bedarf einiges an Zeit, sie davon wieder abzubringen.

Das eigentliche Problem sind die Transsexuellen selbst, die inzwischen zahlreich im Netz vertreten sind, und bei ihren Followern um die Beliebtheit und Zuneigung buhlen. Sie holen sich die Bestätigung perfekt zu sein. Und perfekte Frauen stehen natürlich auf Männer, tragen kurze Röcke und hohe Schuhe, regeln sich in perfekten Posen … all das, was nicht auf mich zutrifft. Und nein, hier spricht nicht der Neid aus mir. Natürlich kleide ich mich auch gerne mal sexy und ja, es gibt auch eine Fotogalerie von mir in diesem Stil (doch heute hätte ich Angst davor noch einmal so etwas zu machen, weil es bei den falschen Leuten ankommen würde), aber doch nicht ständig, überall und zu jeder Zeit. Wer außer den Leuten die auf Instagram leben machen denn das schon? Mir wäre das zu anstrengend und ich glaube den meisten Frauen auch. Aber gerade durch solche Posts werden Schubladen geöffnet, aus denen es nur schwer ist zu entkommen. Wenn ich auf neue Menschen treffe, so haben viele ein Bild im Kopf, das mir nicht entspricht, und es bedarf einiges an Zeit, sie davon wieder abzubringen. Wird über Trans*Menschen geschrieben, dann sind die Köpfe schon voll mit Vorurteilen, ohne das sie den Menschen kennen. Alleine das Wort Transgender reicht bei vielen schon aus, um Abneigung zu erschaffen. Und vieles davon ist eigenverschulden der Community. Als Transfrau hat man es eh schon schwer, als einigermaßen „normal“ zu gelten. Ohne eigenes dazu zu tun, findet man sich unter Menschen wieder, zu denen man sich nicht zählen will. Alle landen in einem Topf, denn die Überzahl entspricht genau den Klischees, die die Männerwelt erwartet. Und zu denen ich nicht gehören will. Niemals!

Seit dem Beginn meiner eigenen Homepage versuche ich dagegen anzukämpfen und dafür zu sorgen, dass Transsexualität aus der Schmuddelecke heraus kommt. Hat man damals seine Suchmaschine mit dem Begrifff gefüttert, dann landete man auf einschlägigen Seiten. Oder bei mir. Und die die mich gefunden hatten waren froh darüber, dass es auch „anständige“ Seiten gibt. Und heute kann jeder posten was er will, zwar weniger in Lack und Leder gehüllt (auch wenn es auch noch heute zahlreiche Profile und Webseiten gibt, die dies bedienen), denn knappe Outfits reichen auch, um Männer Fantasien zu beflügeln. Wahrscheinlich kann ich damit nichts anfangen, weil ich nun mal auf Frauen stehe – ganz klar auf Cis-Frauen. Doch ich bin mir sicher, wenn es anders wäre, dann würde es nichts an meiner Einstellung ändern. Was ich mich immer frage, ist, ob denjenigen, die das ganze forcieren, egal ist, wie der Rest der Bevölkerung über Trans* denkt. Denn anscheinend fühlen sie sich wohl damit, im Mittelpunkt zu stehen und als etwas „Besonderes“ zu gelten. Natürlich ist es eine großartige Sache, dass viele Trans*Menschen offen darüber reden, doch bei vielen dient diese Offenheit eher dafür, um sich von anderen abzuheben. Das Besondere steht wieder im Mittelpunkt.

Ich jedenfalls möchte mich nicht immer erklären müssen, denn all das zerrt mehr und mehr an meinen Nerven. Aber vielleicht bin ich da auch alleine mit meiner Meinung. Und nicht das es falsch verstanden wird: Ich habe nichts gegen die Lebensweisen der anderen, doch es ist wie ein Kampf gegen Windmühlen, zu zeigen, dass nicht alle so sind, und dass es auch noch andere Varianten gibt. Ein Kampf der vor 17 Jahren angefangen hat und wahrscheinlich noch viele Jahre andauern wird. Oder vielleicht nie ein Ende findet …

1 Kommentar

  1. Du bist nicht krank, du bist eine Frau die ihr Leben genießen will und das in allen Bereichen und in vollen Zügen. Tue das was dich stärkt und mache das woran dir etwas liegt und dir auch den nötigen Spaß verleiht. Bleib wie du bist denn die Anderen müssen sich ändern nicht in Bezug auf Menschlichkeit und Respekt.

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