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Wie König Ila zur Frau wurde

(Frei nach dem „Ramayana“ des Valmiki, Buch 7, Kapitel 100-103 der deutschen Komplettübersetzung von Undine Weltsch)

Einst lebte in der Provinz Valheeka der fromme und würdevolle König Ila. Der Ruhmreiche hatte die gesamte Erde unter seine Herrschaft gebracht und regierte seine Untertanen, als ob es seine Kinder wären. Doch wenn Ila zürnte, erbebten die drei Welten in Angst und Schrecken. Und obwohl er so mächtig war, entfernte er sich niemals vom Pfade der Moral, noch vernachlässigte er die Götter. Stets kümmerte er sich in kluger Weise um seine Pflichten.

Eines Tages, in der malerischen Zeit des Frühlings, betrat Ila mit Armee und Wagen einen zauberhaften Wald. Unter dem Vorwand der Jagd tötete er hunderte und tausende Hirsche. Doch die Jagd auf Hirsche allein befriedigte den König nicht. So tötete er noch Millionen anderer Tiere.
Zur gleichen Zeit vergnügte sich an der Quelle auf der Anhöhe der unbezähmbare Gott Shiva mit Uma, die Tochter des Königs der Berge. Um die Göttin zu unterhalten erschien er in Gestalt einer Frau. Doch durch diesen Zauber wurden auch alle männlichen Tiere oder Bäume in das andere Geschlecht verwandelt.

So erblickte König Ila plötzlich nur noch weibliche Tiere und Bäume. Und im nächsten Moment waren er und seine ganze Armee auch in Frauen verwandelt. Dies war eine schwere Notlage für den König. So suchte der König mit Gefolge und Armee Zuflucht bei der hochbeseelten und blaukehligen Gottheit Shiva. Der große Gott lächelte und sprach: „Erhebe dich, Sohn des Kardama, und erbitte dir von mir eine andere Gabe, als den Erhalt deiner Männlichkeit.“ Doch der in eine Frau verwandelte König war tief enttäuscht und bat um keinen anderen Segen. Traurig sprach Ila nun zur Göttin Uma: „Oh Göttin, du bist die Beschützerin von allen. Du gibst allen deinen Segen. Wenn man dich erblickt, ist es niemals fruchtlos. Habe Mitleid mit mir.“ Die Göttin verstand seine Absicht und mit Shivas Einwilligung erwiderte sie: „Die Hälfte der Gabe, die du begehrst, soll von Shiva gewährt werden und die andere Hälfte von mir. Bitte mich daher um die Hälfte.“

Als er von diesem hervorragenden und wunderbaren Segen hörte, freute sich der König sehr und sprach: „Wenn du mit mir zufrieden bist, oh Göttin, dann verleihe mir für einen Monat die Gestalt einer Frau von großer Schönheit und für den nächsten Monat werde ich ein Mann sein.“ Die Göttin vernahm sein Begehren und sprach mitleidvoll: „Der Segen sei deinem Wunsch gemäß gewährt, oh König. Wenn du deine männliche Gestalt annimmst, sollst du dich an nichts erinnern, was dein weibliches Leben betrifft. Und wenn du deine zauberhafte weibliche Gestalt trägst, wirst du alles über deinen männlichen Status vergessen.“ So wurde König Ila abwechselnd für einen Monat ein Mann und für den nächsten eine Frau.

Im ersten Monat, als er seinen weiblichen Körper mit den Lotusaugen trug, vergnügte er sich in Wald und Hain in Begleitung seiner Gefährten, die auch in Frauen verwandelt waren. Sie schickte alle Wagen fort und genoss die Zeit in den Bergtälern. Als sie solcherart wanderte, traf sie eines Tages unweit des Berges, den wie Lichtstrahlen leuchtenden Budha. Dieser übte sich gerade mit erhobenen Händen im Wasser Buße. Als Ila ihn erschaute, war sie höchst verwundert, und mit ihren weiblichen Gefährtinnen begann sie das Wasser aufzuwühlen. Sobald Budha sie erblickte, trafen ihn die Pfeile des Liebesgottes. Er dachte: „Diese Dame ist weit schöner als die himmlischen Mädchen. Nie zuvor erblickte ich eine solche Schönheit. Wenn sie nicht bereits verheiratet ist, ist sie eine würdige Gemahlin für mich.“ Mit diesem Entschluss entstieg Budha dem Wasser, ging in seine Einsiedelei und sandte nach den Schönen.

Sie alle grüßten ihn. Und Budha fragte sie: „Wessen Tochter ist dies anmutige Mädchen unter euch, und warum kam sie hierher? Zaudert nicht und sagt es mir schnell.“ Die Frauen antworteten: „Diese schöne Dame ist unsere Herrin. Sie hat keinen Ehemann.“ Und da erkannte Budha das wahre Wesen Ilas. Als er beobachtete, wie sich die Frauen in einige Entfernung zurückzogen, sprach Budha lächelnd zur schönen Ila: „Oh du Schöne, ich bin der Lieblingssohn des Mondes. Schau mich mit Entzücken an, du Wunderschöne.“ Ila hörte die Worte des strahlenden und schönen Budha und antwortete: „Oh Freundlicher, ich gehöre niemandem. Ich übergebe mich dir aus eigenem Willen. Oh Sohn des Soma, magst du mir befehlen, was immer du wünschest.“ Mit Lust begann da der Sohn des Mondes mit ihr zu leben. In Gesellschaft der schöngesichtigen Ila verbrachte Budha den ganzen Monat des Madhu voller Verlangen, als ob es nur ein Augenblick wäre.

Nach Ablauf des Monats erwachte der würdige König Ila aus dem Schlaf, schaute auf Budha, der gerade Buße tat, und fragte verwundert: „Oh ruhmreicher Herr, mit meinem Gefolge betrat ich diesen dichten Wald. Doch ich kann sie nirgendwo entdecken. Wohin sind sie gegangen?“ Als Budha die Worte des König vernahm, der alle Erinnerung verloren hatte, beruhigte er ihn mit sanften Worten: „Alle deine Gefolgsleute wurden von einem Steinschlag getötet. Du warst aus Angst vor dem Sturm in der Einsiedelei eingeschlafen. Fürchte dich nicht. Sei beruhigt, oh Held, und wirf alle Sorgen ab. Bleibe hier und lebe glücklich von Früchten und Wurzeln.“

Beruhigt durch diese Worte, doch voller Kummer wegen des Todes seiner Diener erwiderte der hochbeseelte König Ila schwach: „Oh Brahmane, ich soll also meinem eigenen Königreich entsagen. Doch von meinen Dienern getrennt, kann ich nicht einen Moment länger leben. Gib mir die Erlaubnis dazu. Ach Brahmane, mein ältester Sohn, der berühmte und fromme Sasabindu, soll der Eigentümer meines Reiches werden. Wenn ich meinen Dienern und Ehefrauen das Land verweigere, werde ich nicht in der Lage sein, hier zu warten. Oh du Strahlender, gib mir nicht die unangenehme Anweisung, hier zu warten.“ Doch Budha beruhigte ihn: „Warte nur hier. Sei nicht betrübt, oh ruhmreicher Sohn des Kardama. Wenn du für ein Jahr hier lebst, werde ich für dein Wohl sorgen.“ So entschloss sich Ila, beim unermüdlichen Budha zu leben. Als Mann übte er im folgenden Monat asketische Buße. Und im neunten Monat gebar die schönhüftige Ila einen wunderbar strahlenden Sohn namens Pururava, der den Lenden Budhas entstammte und ihm in Anmut glich.

So verging ein Jahr und der heldenhafte Ila sollte seine Manneskraft wiedergewinnen. So sandte der redegewandte und kluge Budha nun seinerseits nach dem großmütigen Sangbarta, dem Sohn des Bhrigu, nach Arishtanemi, dem Besten der Munis, auch Durvasa, dem Freudebringer, und anderen geduldigen Freunden und sprach zu ihnen: „Ihr alle seid wohl informiert, wie der starkarmige Ila, der Sohn des Kardama, in diesen seltsamen Zustand kam.“ Als nun die Strahlenden sich über das Thema unterhielten, kam der leuchtende Kardama in die Einsiedelei. Ihm folgten Pulastya, Kratu, Vasatkar und der hohe Omkara. Höchst erfreut über ihre Ankunft gab nun jeder seine Meinung, das Wohl des Königs von Valheeka betreffend, zum Ausdruck.

Um seinem Sohne Gutes zu tun, sprach Patriarch Kardama: „Hört, ihr Zweifachgeborenen, wie das Wohl von König Ila gesichert werden kann. Für diese Krankheit kenne ich keine andere gute Medizin als Umas Herrn. Und außer dem Ashvameda gibt es kein Opfer, welches die hochbeseelte Gottheit lieber hätte. Lasst uns alle daher dieses schwere Opfer vollbringen, um dem König zu helfen.“ So sammelte der königliche Heilige Marutha, Sambartas Schüler, alle notwendigen Sachen für das Opfer. Und in der Nähe der Einsiedelei des Budha wurde das mächtige Opfer gefeiert. Das Opfer entzückte den großen Rudra sehr, und er sprach in Anwesenheit von König Ila zu den Zweifachgeborenen: „Oh ihr Besten der Zweifachgeborenen, ich bin höchst erfreut über dieses Opfer und eure Hingabe. Sagt mir nun, was ich für den König von Valheeka tun soll.“

Als die Brahmanen die Worte Mahadevas vernahmen, den sie mit großer Hingabe versöhnt hatten, da baten sie um Ilas Männlichkeit. Vergnügt gewährte der strahlende Mahadeva sie ihm und verschwand. Mit dem Verschwinden Mahadevas war das Pferdeopfer beendet, und die weitsichtigen und führenden Zweifachgeborenen kehrten in ihre eigenen Einsiedeleien zurück. Der König setzte seinen ältesten Sohn Sasabindu als König über das Land Valheeka ein und gründete selbst eine neue Stadt in der Mitte des Landes.

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