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Zwischen PEGIDA und Aufklärung

„Was ist denn bei euch in Dresden los?“ Werde ich immer wieder auf Messen gefragt, egal ob in Norddeutschland oder Süddeutschland. Überall das Selbe: Die Menschen würden gern nach Dresden kommen, trauen sich aber nicht wegen PEGIDA. Die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ sind inzwischen in ganz Deutschland und über die Grenzen hinaus bekannt. Und auch wenn in anderen deutschen Städten der Andrang zu den Demos nicht ganz so groß ist wie hier in Dresden, beobachte ich doch mit wachsender Sorge die Entwicklung. Mich allein als Dresdner nervt schon montags in die Stadt zu fahren, denn man weiss nie welche Teile der Stadt gesperrt sind, egal ob durch die PEGIDA selbst oder durch die zahlreichen Gegendemonstrationen. Und auch wenn die Gruppe immer behauptet hat nur etwas für/gegen das Asylrecht zu tun, hat sich in den letzten Wochen noch etwas entwickelt: Der Hass auf Schwule, Lesben und Trans*Menschen.

Und all das geht aus von der neuen Frontfrau der PEGIDA, Tatjana Festerling. Und ehrlich, bis zu dem Tag an dem der Artikel über mich in der MOPO erschien, hatte ich nichts von der Dame gehört. Ich wurde erst aufmerksam als unter dem Artikel auf der Facebookseite (zum Artikel geht’s hier) immer mehr Kommentare mit ihren Namen auftauchten, positive wie auch negative. Wobei die ziemlich derben auch gleich wieder gelöscht oder von der Redaktion moderiert wurden. Also gleich mal nachgeschaut, wer denn die Dame sei (die Welt berichtete hier). Ich war fassungslos. Es war die Rede vom „Terror der schwulen, lesbischen, queeren sexuellen Minderheit – willkommen in der Freiluftpsychiatrie Deutschland!“ und von „verkorksten Gender-Tanten“, die „mit überzogenem Sexualscheiß unsere Kinder traumatisieren wollen“! Was würde Frau F. tun wenn eines ihrer Kinder sich zur Homo- oder Transsexualität bekennen würde? Verstoßen? Enterben? In was für einer Zeit bitte schön leben wir denn?

Ich erinnere mich noch daran mit anderen Trans*Menschen gemeinsam zum CSD dafür demonstriert zu haben, das die Aufklärung über Trans* in die Schule gehört! Und das hat sicher nichts mit irgendwelchen Sexpraktiken zu tun, ganz im Gegenteil: Gerade in der Pubertät entdecken viele Jugendliche andere Seiten an sich und einige merken das sie sich von Anderen in manchen Dingen unterscheiden. Und gerade bei Jugendlichen ist die Selbstmordrate sehr hoch! Doch das hat sicher nichts damit zu tun das Menschen wie wir anderen Flöhe in den Kopf setzen. Nein, es liegt viel mehr daran das hier die Aufklärung fehlt, egal ob bei Schülern, Lehrern oder der Bevölkerung. Ich war selbst einige Male in Schulen und hab über Trans* aufgeklärt, sogar an der Uni in Jena einen dreistündigen Vortrag, zusammen mit meiner damaligen Freundin, gemacht. Und überall wo ich war gab es interessierte Zuhörer und wissbegierige Menschen. Für niemanden war das befremdlich, ekelig oder abstoßend – es gehört nun mal zu den vielen Facetten des Lebens dazu. Und genau deshalb erzähle ich immer wieder über mein Leben: Um anderen Mut zu machen und Ihnen zu zeigen das sie nicht allein sind.

Und gerade wegen all dem, ist es sehr erschreckend, das Frau Festerling nun auch noch als Oberbürgermeisterin für die Stadt Dresden kandidiert. Ich will gar nicht daran denken was das für die Dresdner Queer-Community heißen würde. Deshalb bin ich froh, das auch jemand sich zur Wahl stellt, die dass bunte Dresden vertritt: Lara Liqueur. (Bild berichtete hier) Das absolute Gegenteil und etwas frischer Wind, den unsere Stadt unbedingt braucht.

Denn Dresden ist bunt, war bunt und wird es immer bleiben!

Wie denkt ihr darüber? Über Kommentare jeder Art würde ich mich freuen. Nutzt einfach die Kommentarfunktion am Ende des Artikels.

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CSD Dresden im Web

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