Mein Leben

Klartext – Jetzt rede ich: Kommentare zu meinem letzten Artikel

Ja, sie haben wieder einmal zugeschlagen: Die Überwachung der Transsexuellen, die in jedem Artikel Dinge aufdecken, die eigentlich gar nicht relevant sind. Und so wird sich lang und breit darüber lustig gemacht und mit Unwissenheit geglänzt, das einem die Haare zu Berge stehen. Warum? Schadet das nicht eigentlich der Sache, als das es hilft?

Um kurz zu erklären worum es geht: Am 5. Dezember erschien ein Artikel in der Morgenpost mit dem Titel Travestiekünstlerin Stella in der „Lindenstraße“ über meinen Gastauftritt bei der Lindenstraße. Nun wird der eine oder andere fragen, was denn an dem Artikel falsch sei. Nichts! Und eigentlich lassen mich solche Dinge ja relativ kalt, aber gerade bei diesem Artikel nahm es etwas überhand. Nicht etwa von der allgemeinen Bevölkerung, nein, es kam aus den eigenen Reihen. Deshalb mal ein paar Worte von mir dazu:

Travestie und Transsexualität

Der erste Punkt den einige störten war, Travestie und Transsexualität, was deren Meinung nicht zusammen passt. Nun, wie ihr wisst, ich bin transsexuell und Travestiekünstlerin und ich kenne noch eine ganze Menge andere Künstlerinnen, auf die das ebenso zutrifft. Und nein, das ist nicht erst seit unserer Moderne so, schon damals in den Anfängen dieser Theaterform, gab es auch eine ganze Menge transsexueller Künstlerinnen.
Ich glaube das größte Problem liegt hier darin, das Travestie immer als Parodie auf die Frau gesehen wird, die aber eben von Männern dargestellt wird. Das Travestie ursprünglich eine Parodie berühmter Persönlichkeiten war, das wissen die wenigsten. Eben gefährliches Halbwissen, das oft auch durch Travestiekünstler weiter verbreitet wird, die meist schwul sind und dann auch noch mit Halbwissen zu den Trans*Themen glänzen. Das in der Travestie ebenso heterosexuelle, sowie transsexuelle Menschen arbeiten, wird meist unter den Tisch gekehrt, da nur die schrillen und bunten Paradiesvögel herausstechen. Aber machen wir uns nichts vor, Travestie ist eigentlich ein ganz normaler Theaterberuf. Am Ende schlüpft man in eine Rolle und stellt sie auf der Bühne dar. Da ist es ganz egal, was man ist. Denn was Travestie, in der heutigen Form, ausmacht, ist das Spiel mit den Geschlechtern. Und dazu gehört eben auch, dass das Publikum rätseln kann Ob Mann oder Frau, wer weiß das genau

Schauspieler in Trans*Rollen

Zu diesem Thema kommt dann auch noch der Vorwurf (der aber auch bei jeder anderen Produktion mit Trans*Thematik aufkommt), dass der Hauptdarsteller auch selbst nicht Trans* sei. Ich habe keine Ahnung warum dieses Thema immer wieder so wichtig ist und viele auch der Meinung sind, es solle doch von einer Frau gespielt werden. Ehrlich, ich bin dieses Thema echt leid. Seid doch froh, dass dieses Thema überhaupt auf Interesse stößt und darüber berichtet wird! Auch verstehe ich die Diskussion nicht, dass der Schauspieler viel zu männlich ist. Was wollt ihr? Ein Idealbild, das völlig an der Wirklichkeit vorbei geht? Etwas, dass die meisten selbst nicht verkörpern oder erreichen werden? Nein, danke! Wer ehrlich zu sich selber ist muss gestehen, einen ähnlichen Weg wie Sunny gegangen zu sein. Niemand war von Anfang an perfekt. Jeder brauchte mehr oder weniger Zeit sich in seine Rolle einzufühlen und mit den dadurch neu entstandenen Problemen klar zu kommen. Egal ob es die falsche Perücke war, ein unpassender Kleidungsstil, wir alle sind an unseren Aufgaben gewachsen. Und so auch Sunny. Und selbst ich, die nun schon seit fast drei Jahren ausschließlich als Frau lebt, habe mit manchen Dingen immer noch meine Probleme und manche werde ich wohl nie loswerden. Auch verstand ich die Frage nicht, ob Sunny später durch eine Frau ersetzt wird, da sie ja für die Filmproduktion nicht eine HRT beginnen wird. Als wenn es nur den einen Weg geben würde, um am Ende glücklich zu sein. Zum Glück gab es vor Jahren eine Gesetzesänderung, die uns heute erlaubt, auch ohne den letzten Schritt als Frau zu leben. Wer nun der Meinung ist, nur wer eine perfekte Frau gibt und den Weg bis zum Ende geht, ist wirklich transsexuell, die hat das Leben nicht verstanden und belügt sich selbst. Natürlich haben sich die Autoren der Lindenstraße die ganze Geschichte nicht einfach so aus den Fingern gesogen. Sie arbeiten zusammen mit anderen Trans*Gruppen an der Entwicklung, damit es an die Wirklichkeit heran kommt. Auch für unsere Szenen, wurde mit uns zusammengearbeitet. Natürlich ist es nicht möglich, all die verschiedenen Wege aufzuzeigen, man musste sich für einen entscheiden. Aber ich bin mir sicher, auch wenn 10 verschiedene Leben dargestellt werden würden, es gäbe immer noch genügend Mädels, die daran was auszusetzten hätten. Nur weil es vielleicht nicht gerade der Weg ist, den sie selber eingeschlagen haben.

Die „Szene“ und ich

Ich hab all das schon einmal durch, damals mit Tanja Krienen, die bei mir Telefonterror veranstaltet und mich auf das übelste beschimpft hatte. Das waren (und sind es noch heute) die Momente, wo ich mir denke Zum Glück bin ich nicht so wie ihr! Und ehrlich gesagt möchte ich es auch gar nicht. Ich bin glücklich, ohne die Szene leben zu können. Denn wie schon damals, wird sie eh nur von Hardlinern beherrscht, die der Meinung sind nur ihre Meinung und Weg ist das einzig wahre. Alle anderen werden nur von oben belächelt oder nieder gemacht. Und wenn das typisch weiblich sein soll, dann bin ich es eben nicht. Ich muss nicht über andere Menschen, die ich kaum oder überhaupt nicht kenne, urteilen, nur um mich besser zu fühlen. Auch muss ich mich nicht hinter irgendwelchen Avataren verstecken. Ich lebe meine Transsexualität offen aus und das ist auch gut so, denn ich glaube ich erreiche somit mehr Menschen, als mit irgendwelchen anderen Dingen. So kann mich auch mein Gegenüber wirklich kennenlernen und stellt sehr schnell fest, das ich eigentlich auch nur ein „normaler“ Mensch bin. Und ich bin nun mal seit 15 Jahren in diesem Bereich tätig, gehe an Schulen, bin auf Stadtfesten anzufinden und war ja auch schon in sämtlichen Magazinen, Sendungen usw. – vieles davon findet ihr ja auf meiner Webseite wieder. Ich versuche vor allem den Menschen zu zeigen, wie vielseitig Trans* sein kann, das es in vielen Kulturen dazu gehört und schon seit Anbeginn existiert, also keine Neuerfindung ist. Natürlich war auch ich mal in vielen Vereinen, hab selbst Stammtisch und Gruppen gegründet, aber in all den Jahren hab ich gemerkt, dass ich mehr wollte. Natürlich finde ich es toll, wie sich andere Gruppen und Vereine für unsere Rechte einsetzen und dafür kämpfen, das es uns, oder unseren nachfolgenden Generationen besser geht. Ich tue dies auf meine Art und Weise, in dem ich die Berührungsängste der Menschen abbaue, in dem sie mich kennenlernen und mit mir ins Gespräch kommen können. Jede von uns macht es auf ihre Art, aber keiner sollte sich hinstellen und andere dafür nieder machen. Wenn wir schon nicht alle an einem Strang ziehen können, dann sollten wir zumindest die anderen akzeptieren. Denn das wünschen wir uns ja schließlich auch von den anderen Menschen, wenn sie auf uns treffen. Also sollten wir bei uns selber anfangen, bevor wir es von den anderen erwarten.

Abschlussworte

Deswegen mein Appell an euch: Versucht in Zukunft weniger Engstirnig zu sein! Seid menschlich, offen und ehrlich. Und versteckt euch nicht hinter irgendwelchen Schubladen und Begriffen. Wir sind alle Menschen und sollten auch als solche wahrgenommen werden. Wer aber dennoch der Meinung ist, all das wäre falsch und sie könnte es besser, der stehe es völlig frei etwas in der Richtung zu tun und sich öffentlich zu outen. Dann wäre es aber auch vorbei, das man sich hinter einem hübschen Avatarbild verstecken kann …

1 Kommentar

  1. Hallo Jessica, ich finde Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen …!

    Wer was auch immer ist und Toleranz fordert, der sollte zuerst bei sich beginnen ….

    Liebe Grüße Michelle

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