Mein Leben

Die Angst davor, zu männlich zu sein

Auch wenn ich jetzt schon seit einigen Jahren, nur noch als Frau in der Öffentlichkeit präsent bin, gibt es trotzdem ein paar Dinge, über die ich mir Gedanken mache. Dabei geht es weniger um mein Erscheinungsbild, mit dem ich inzwischen sehr zufrieden bin, oder meinen Körper, der in den letzten Monaten eine ziemliche positive Entwicklung durch gemacht hat, sondern mein Auftreten. Es ist nun mal so, dass man über die Jahre in eine Rolle geprägt wurde und nun versucht diese Rolle wieder abzulegen und die neue zu erlernen. Ich war ja zum Glück nie besonders männlich und musste mich bei bestimmten Dingen immer selbst ermahnen, dass ich doch eigentlich im Moment für die Umwelt einen Mann darstelle und mich auch dementsprechend zu verhalten hab. Heute gibt es immer wieder Situationen, wo es genau umgekehrt ist und ich mich im letzten Moment noch daran erinnere, dass die Zeiten des hinfläzen und Händen in den Hosentaschen vorbei sind. Aber das sind eher kleine Dinge, die in der heutigen Zeit kaum noch auffallen und nur mich selber stören. Eine Sache, die mich bei vielen Dingen wirklich behindert, ist wie ich den Damen gegenübertrete. Es ist ja nun mal kein Geheimnis das, wenn ich jemanden für das Leben finden sollte (was ich wirklich hoffe), es jemand aus der Damenwelt sein soll. Und genau da ist der Knackpunkt: Gerade, wenn ich jemanden toll finde, habe ich keine Ahnung wie ich die Sache angehe, denn ich habe dann oft das Gefühl von mir selber, dass es zu männlich wirkt. Vorallem wenn man sich länger kennt und dann allen Mut zusammen nimmt, den nächsten Schritt zu gehen. Dann stehe ich vor dem Problem, wie ich es nun schreibe oder formuliere, ohne das es zu männlich wirkt. In diesen Momenten stehe ich mir selber im Weg. Gerade wenn es um Komplimente geht oder nette Nachrichten, weiß ich meistens nicht wie weiter. Natürlich machen auch Mädels Komplimente, aber ich habe immer Angst, dass meine Vorgeschichte es in ein anderes Licht bei meinem Gegenüber rückt. Deshalb gehe ich den Schritt so selten und komme wahrscheinlich bei der Einen oder Anderen eher distanziert rüber. Eine Sache, die ich echt lernen muss. Aber als nächstes kommt dann die Angst, verletzt zu werden, weil man zu viele Hoffnungen in etwas gesetzt hat. Und gerade diese Gefühl, gepaart mit Depressionen, ist nicht wirklich zu empfehlen. So läuft man ziellos im Kreis und versucht daraus auszubrechen, aber ohne über irgendwelche Gefühle zu stolpern. Das ist aber eben nur selten möglich, ich habe das wirklich schon das eine oder andere Mal ausprobiert. Und da gab es nicht wirklich ein Happy End. Deshalb wäre mein größter Wunsch, wenn meine große Liebe zu mir kommen und mir ihre Liebe gestehen würde, aber so etwas gibt es nur im Märchen. Also hoffe ich weiter darauf, dass ich irgendwann lerne über meinen eigenen Schatten zu springen und einfach schreibe, was ich fühle. Und da liegt noch ein langer und harter Weg vor mir …

1 Kommentar

  1. Hallo Stella,

    zu aller erst möchte ich Dir sagen, dass ich voller Bewunderung bin, wie offen Du über Dich und dein Dein Leben, Deine (Öffentlichkeits)Arbeit etc. schreibst und das wir sowohl an Deinen Höhen als auch Tiefen teilhaben dürfen. Damit hilfst Du mit Sicherheit vielen anderen Menschen ein Stück weit zu sich selbst zu stehen und sich so zu akzeptieren wie man ist. Man hat sich ja sein Leben nicht ausgesucht. Deswegen denke ich, dass es nicht ratsam ist irgendetwas zu unterdrücken bzw. sich selber zu ermahnen und zu kontrollieren; das darf ich, das darf ich nicht. Man ist wie man ist. Und du bist wundervoll, so wie du bist!
    Ich kann es schon in gewisser weise nachvollziehen, dass Dich manchmal Selbstzweifel oder zu geringes Selbstvertrauen plagen, wie Du der Damenwelt gegenübertrittst oder wie Du von den Damen wahrgenommen wirst. Den Seelenverwandten zu finden ist nicht einfach – da wird man öfter mal auf die Nase fallen. Vielleicht solltest Du Deiner Auserwählten auch so offen gegenübertreten und ihr sagen oder schreiben, dass es Dir eben noch nicht so leicht fällt Deine Gefühle in die richtigen Worte zu fassen. Kopf ausschalten ist manchmal einfacher gesagt als getan, da rede ich aus eigener Erfahrung. Bei mir schießen auch immer tausend Gedanken gleichzeitig durch den Kopf, wie sage ich was, ist das verständlich, was ich gesagt habe, meinem Gegenüber verständlich usw.. Ich gehe bereits vorher das Gespräch mehrmals in meinem Kopf durch und zerdenke mir oftmals vorher schon alles und am Ende ist es meistens gar nicht so schlimm.
    Sei nicht so streng mit Dir selber, sei einfach Du und vertraue in Dich und Deinem Charakter, dann ergibt sich der Rest fast ganz von allein.
    Ich wünsche Dir für Deinen weiteren Lebensweg , dass Du eine Partnerin findest, die Dich so akzeptiert und liebt wie Du bist.

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